Darf es ein bisschen schärfer sein? Ein Plädoyer für Currywurst-Journalismus

Eigentlich wollte ich mit Rapha Breyer eine Currywurst essen. Doch dann war alles ganz anders und ich musste schnell zum Zug. Wir haben das Interview trotzdem geführt.

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Gedanken und Links zum Gesagten:

Wir brauchen mehr Currywurstjournalismus
Vor einem Jahr machte das Buzzword „Bratwurstjournalismus“ die Runde, angetrieben von Hardy Prothmann. Mit Bratwurstjournalismus meint man diese vermeintlich typische Lokal- oder sogar Sublokal-Berichterstattung (also auf Stadtteil-Ebene) darüber, dass beim Pfarrfest für das leibliche Wohl gesorgt war, das Grillgut wieder vorzüglich mundete und die Blauröcke am Ende der Jahreshauptversammlung das Tanzbein geschwungen haben. Bratwurstjournalismus = Blödsinnjournalismus. Daraus ist in den vergangenen Monaten oft der falsche Schluss gezogen worden, dass Lokal- oder Stadtteil-Berichterstattung per se Blödsinnjournalismus ist. Doch Journalismus, der nah an den Menschen ist, der ihre kleinen Probleme kennt und aufgreift, der ansprechbar ist und eine Gesicht hat, der auf die üblichen Floskeln verzichtet, der ist nicht blöd. Das liegt mir schon lange auf dem Herzen, merke ich gerade, während ich das hier schreibe.

Im Ruhrpott und in Berlin gehört die Currywurst zum Kulturgut. „Schärfer?“, wird man gefragt, wenn man die C-Wurst bestellt. Um im Wurst-Bild zu bleiben, brauchen wir also mehr Currywurstjournalismus – so nah dran wie der Bratwurstjournalismus, aber nicht so langweilig. Mit leckerer Soße und ordentlich Chili.

Mehr Beta für den Journalismus
Hier das Interview mit den Ruhrbaronen

Links zur Neonazi-Demo-Berichterstattung
Unser Liveticker mit Fotostrecken und Videos
Das genannte Video von DerWesten

Storify im Redaktionseinsatz
Beispiel Unwetter
Beispiel Erdbeben

Nico Drimecker ist RN_Mobil
MoJo Nico Drimecker
Die Aktion „Nico wandert“
RN_Mobil auf Twitter

Unwetter über Dortmund
Blopgpost: Wie uns Social Media jeden Tag besser macht
Präsentation von Michael Krechting und mir beim www.scoopcamp.de

Der Blumenkübel
Wikipedia: Alles zum Internet-Phänomen Blumenkübel
Das Bekennervideo von „Free the Flowers“

Kontakt
http://twitter.com/RaphaBreyer
http://twitter.com/okomuenster
http://twitter.com/ralfheimann
http://twitter.com/RN_Dortmund

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Die neue Schnelligkeit der News: erst publizieren, dann verifizieren?

Soziale Netzwerke verändern den weltweiten Fluss von Nachrichten und dessen Geschwindigkeit. Das merken vor allem Journalisten, die in dieser neuen Arbeitsumgebung professionell agieren müssen. Neue Fragen kommen auf. Ist Tempo alles? Bei welcher Geschwindigkeit lassen sich Informationen noch verifizieren? Oder können Informationen sowieso erst nach dem Publizieren verifiziert und editiert werden?

Darum drehte sich das Abschluss-Panel der DJV-Konferenz „Besser online“ gestern in Bonn. Titel: Hyperventilation: zu schnell, zu brutal, zu ungenau – über den Schnelligkeitswahn im Online-Journalismus.

Die Diskutanten (von links nach rechts auf dem Podium):
Stefan Plöchinger (Chefredakteur sueddeutsche.de)
Melanie Ahlemeier (Nachrichtenchefin dapd.de)
Matthias Spielkamp (Betreiber iRights.info)
Alexander von Streit (Herausgeber vocer.org)
Moderator: Don Dahlmann (Autor, Journalist und Blogger).

Zum Auftakt der Diskussion sprach Internet-Vordenker Jeff Jarvis per Skype über die neue Schnelligkeit der News und die Folgen. Ich habe das Panel mit dem iPhone gefilmt (bis das Telefon nach knapp 50 Minuten voll war). Das Gespräch zwischen Don Dahlmann und Jeff Jarvis habe ich aufgeschrieben und dabei sinngemäß übersetzt. Der Text steht unter dem Video.

In der anschließenden Panel-Diskussion ging es um personell schlecht ausgestattete Online- und Agentur-Redaktionen, unsinnige Live-Ticker (Fukushima…) und Online-Redakteure, die mit ihrer schlampigen den ganzen Journalismus zerstören, wie ein Zwischenrufer meinte.

Don Dahlmann: Wir reden darüber, wie Social Media den Journalismus verändert. Was ist Deine Erfahrung: Wie reagieren amerikanische Medien darauf und wie verändert sich deren Arbeit?

Jeff Jarvis: Die Frage ist: „Brauchen Nachrichten Journalisten?“ Vielleicht nicht! Das ist ein Teil dessen, was uns Twitter lehrt. Die Lektion, die ich zuletzt gelernt habe, stammt von Andy Carvin von NPR. Seine Twitter-Berichterstattung über die Revolutionen im arabischen Raum zeigt: Nachrichten fangen an, die Architektur des Internets  nachzuahmen. Sie verlaufen von einem Ende direkt zum anderen, also vom Augenzeugen direkt zur [restlichen] Welt. Früher brauchte es uns [Journalisten] als Vermittler, ansonsten hat die Nachricht nicht stattgefunden. Aber jetzt in Libyen, Ägypten und Tunesien hatte niemand die Bürger angewiesen, die Revolution crowdzusourcen. Sie haben einfach der Welt mitgeteilt, was um sie herum passierte. Andy Carvin hat sich als Journalist zurückgenommen und [trotzdem] viel journalistischen Wert hinzugefügt. Er hat herausgefunden, wer wirklich vor Ort ist. Er hat Leute identifiziert, er hat Zusammenhänge hergestellt, er hat mit Gerüchten aufgeräumt, er hat Informationen verifiziert, er hat Erklärungen hinzugefügt, er hat Videos übersetzt, er hat also insgesamt unglaublichen journalistischen Mehrwert hinzugefügt. Aber die Nachrichten sind ohne ihn passiert. Ich glaube, wir müssen jetzt realisieren, dass die zentrale Architektur des Internets und der Welt von „Ende zu Ende“ ist. Menschen können Informationen miteinander teilen – kostenlos. Wir Journalisten müssen uns fragen, wie wir eine Wertsteigerung schaffen. Es gibt uns einen wirtschaftlichen Vorteil [im Gegensatz zu früher], weil wir nicht immer inmitten eines jeden Informationsaustausches sein müssen, sondern einen Vorteil aus der günstigen [neuen] Architektur der Nachrichtenübermittlung ziehen und einen großen Wert hinzufügen können. Und das erzähle ich auch meinen Studenten.

Don Dahlmann: Twitter beschleunigt die Nachrichten. Nun stehen Journalisten vor dem Problem, die Informationen in kurzer Zeit verifizieren zu müssen. Wie kann ein Journalist das machen?

Jeff Jarvis: Zunächst einmal besteht das Problem ja, seit es Nachrichtensender gibt, die rund um die Uhr live berichten. Seit dieser Zeit müssen die Zuschauer selbst zu Redakteuren werden und entscheiden, was wahr ist, weil es keine Zeit mehr für den journalistischen Prozess gibt, den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Die andere Wahrheit ist: Andy Carvin, Gawker und andere verbreiten Nachrichten, bevor sie wissen, ob sie stimmen. Sie sagen [ihrem Publikum]: „Diese Information habe ich. Jene Fragen stellen sich allerdings noch. Was wisst Ihr darüber?“ Die beängstigende Sache für Journalisten ist: Wir sind in einer Situation, wo wir eine Information zuerst publizieren und erst anschließend editieren. Das hört sich schrecklich an, ist aber einfach nur die Situation, in der wir uns [mittlerweile] befinden. Die Schlüsselqualifikation für Journalisten ist es jetzt, zu sagen, was man alles nicht weiß [oder nicht bestätigen kann]. Also ganz transparent zu sein.

Don Dahlmann: Also muss man – etwa bei der Berichterstattung über den Terroranschlag in Oslo oder über die arabische Revolution – öfter mal die Formulierung „es könnte sein, dass“ benutzen. Aber damit lassen wir das Publikum doch ein Stück weit allein, oder?

Jeff Jarvis: Bei den 24-Stunden-Nachrichtensendern im Fernsehen war es doch immer schon der Fall, dass der Zuschauer entscheiden musste, welchen Informationen er vertraut und welchen nicht. Je mehr wird den journalistischen Prozess offen und transparent machen – und der journalistische Prozess bei Live-Nachrichten ist nun mal problematisch –, desto mehr wird man uns vertrauen und desto größeren Mehrwert können wir hinzufügen. Wir Journalisten werden ja weiterhin gebraucht, aber anders.

Don Dahlmann: Das heißt, das Publikum muss ein bisschen mithelfen [...]?

Jeff Jarvis: Und das betrifft ja nicht nur den Journalismus. Übrigens kommt bald ein neues Buch von mir heraus, und ich habe noch keinen Verleger in Deutschland. Egal, ob du eine Autofirma bist oder eine Zeitung oder die Regierung, Du musst öffentlicher agieren.  Das wird erwartet. Sachen werden in der Öffentlichkeit passieren. [...] Die Bürger werden von öffentlichen Institutionen verlangen, öffentlicher zu sein. [...]

Don Dahlmann: Das bedeutet auch, dass sich die Journalistenausbildung
verändern muss.

Jeff Jarvis: Ja, und durch Instrumente wie Twitter müssen Journalisten
auch lernen, ihre Arbeit zu promoten. Sie müssen [diese Instrumente] nutzen um zu berichten, aber auch um zu fragen, was gerade passiert. Übrigens stellt sich auch die Frage, ob der fertige Artikel überhaupt die kleinste Einheit der Nachricht ist. Denn wenn man wieder zu Andy Carvin guckt, sieht man einen Strom an Nachrichten und einen Prozess, der niemals in einem Artikel mündet. Bisher schreiben wir Artikel, wenn sie einen Mehrwert bringen – also zum Verständnis beitragen oder die Zusammenfassung einer Entwicklung sind. Aber manchmal werden Nachrichten einfach nur ein Prozess sein, und wir müssen die Journalisten darin schulen.

Don Dahlmann: Haben die Verantwortlichen in den USA angefangen, ihre
Nachwuchskräfte darin zu schulen?

Jeff Jarvis: An der CUNY machen wir das, und die Leute sehen, wie bei der New York Times oder beim Guardian ein brillanter Job bei Live-Blogs gemacht wird. Damit habe ich die Murdoch-Story verfolgt. Das war wunderbar. Der fertige Artikel, der dann darüber erscheint, ist nur noch das Nebenprodukt. Der großartige amerikanische Verleger John Paton von der „Journal Register“-Zeitungsgruppe hat gerade die Zeitungsgruppe „MediaNews“ übernommen. Er predigt „Digital first, print last“, also „Digitales zuerst, Gedrucktes zuletzt.“ Die sagen der Welt also digital, was sie wissen, und der Zeitungsartikel, der anschließend erscheint, ist nur noch das Nebenprodukt.

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Gruppenstunde der Anonymen Twitterer. Oder: Leichte Tweets und schwere Maschinen

Ich hatte lange ein schlechtes Gewissen. Vor mindestens anderthalb Jahren habe ich ein paar Twitterer, die meine damalige Arbeit und die Arbeit meiner Redaktionen kritisch begleitet haben, zu einer Diskussion mit Druckereiführung eingeladen.

Am Dienstag haben wir die Einladung endlich eingelöst – in etwas aktualisierter Besetzung. Mein Nachfolger als RegioDoDesk-Chef, Tobias Weckenbrock, war natürlich dabei, ebenso Heinz Jäger, unter anderem IT-Chef im Medienhaus Lensing. Und natürlich Nico Drimecker, unser mobiler Reporter, der das Video des Abends gedreht hat. Wichtiger aber waren unsere Gäste:

Jens Matheuszik aka @pottblog
Tobias Althoff aka @tobias_althoff
Nicolai Roerkohl aka @nicinai
Dennis aka @DerBeile

Mein Fazit: Gute Gespräche, flotte Führung, abwechslungsreicher Abend. Danke für das Interesse!

Und das haben unsere Gäste geschrieben…

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Wie uns Social Media jeden Tag besser macht – am Beispiel des Unwetters über Dortmund

Durchschnittliche Lesedauer für diesen Artikel: 2 Minuten
Der Blitz-Informationsdienst von Siemens zählte am Donnerstagabend rund um Dortmund 890 Blitze in nur zwei Stunden. (Foto: Siemens)

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens zählte am Donnerstagabend rund um Dortmund 890 Blitze in nur zwei Stunden. (Foto: Siemens)

„Social Media macht uns jeden Tag ein bisschen besser“, hat neulich jemand gesagt. Ich glaube, der Satz stammt von Zeit-Online-Chefredakteur Wolfgang Blau (die Recherche nach dem Urheber des Zitats läuft).

Wer Social Media journalistisch nutzt, findet diese Aussage selbstverständlich. Natürlich macht Social Media die Journalisten und ihren Journalismus besser, was denn auch sonst. Für alle anderen habe ich ein Beispiel aus der Praxis:

Am Donnerstagabend zog ein heftiges Unwetter über Dortmund. Die meisten Mitarbeiter meiner Redaktion waren gerade in den Feierabend gegangen, als das Gewitter um kurz nach 20 Uhr anrollte. In den folgenden zwei Stunden gingen 890 Blitze in und um Dortmund nieder. Bis 23 Uhr zählten Polizei und Feuerwehr 543 „wetterbedingte Einsätze“. Das Mobilfunknetz brach zusammen, der Fernsehempfang ebenfalls. Der Feuerwehr-Notruf 112 war überlastet. Die Feuerwehr rief den so genannten „Vollalarm“ aus: Einsatz für alle.

Wir haben, wie in solchen Situationen bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund üblich, einen lokalen Live-Ticker gestartet. Doch wir hatten ein Problem – denn wir kamen nur sehr schlecht an Informationen. Ja, natürlich, um uns herum ging die Welt unter, das konnte jeder sehen (dafür braucht man auch keinen Live-Ticker…). Aber fundierte Informationen oder Augenzeugenberichte aus den Dortmunder Stadtteilen waren Mangelware. Die Leitstellen, die in solchen Situationen unsere Ansprechpartner sind, hatten entweder keine Zeit für ein Telefonat oder keine Informationen, geschweige denn einen Überblick.

Unsere Rettung waren unsere 2500 Follower bei Twitter. Sie haben uns bis Mitternacht mit ziemlich genau 100 direkten Hinweisen, Fotos und Videos versorgt: Hier ist ein Baum umgefallen, dort ist eine Straße überflutet, da drüben steht eine U-Bahn-Station unter Wasser. Wir konnten nicht jede einzelne Information in unseren Ticker übernehmen (wir hatten ja auch keine Möglichkeit der Verifizierung) – aber wenn mehrere Menschen über Probleme bei einem bestimmten Handynetz oder über umgestürzte Bäume auf einer bestimmten Bundesstraße schrieben, haben wir es aufgenommen. Außerdem waren diese 100 @-Messages an uns ein unschätzbares Instrument, um die Gesamtlage einzuschätzen. Selbstverständlich haben wir den geplanten Aufmacher aus der Zeitung geschmissen und parallel zum Ticker an einer neuen Print-Aufmachung gearbeitet. Hätten wir auf die ersten belastbaren offiziellen Informationen der Behörden gewartet, hätte der neue Print-Aufmacher große Teile der Abo-Auflage nicht mehr erreicht.

„Social Media macht uns jeden Tag besser.“ Den Beweis haben wir am Donnerstagabend gesehen und mit Storify aggregiert: So haben uns unsere Follower gerettet. Danke!

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Im Zeitraffer-Video aus dem Fenster der Redaktion sah das Unwetter übrigens so aus.

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Die Beta-Projekte der New York Times

Beta 620

Beta 620

„Mehr Beta für den Journalismus“ habe ich neulich in diesem Ruhrbarone-Interview gefordert. Die New York Times ist längst auf diesem Trip und erklärt ihre Projekte und Experimente jetzt auf der Website http://beta620.nytimes.com/. Interessant!

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Krise im Netzwerk Recherche – Mail an die Mitglieder

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (NR) steckt in der Krise. Im zehnten Jahr ihres Bestehens hat NR-Gründer und Gesicht Thomas Leif am Freitagabend am Rande der Jahrestagung in Hamburg seinen Rückzug aus dem Vorstand erklärt. Hintergund: Mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Finanzierung des Vereins. Die taz schreibt von einem „Putsch“, auch Meedia berichtet.

In einer E-Mail sind die Mitglieder über die Probleme informiert worden. Ich bin NR-Mitglied und dokumentiere das Schreiben:

Betreff: Mitteilung an die Mitglieder von netzwerk recherche e.V.

Liebe nr-Mitglieder,

anlässlich der Pläne des Netzwerks Recherche (NR), eine Stiftung zu gründen, hat sich der Vorstand am 28. Mai 2011 ausführlich mit der Finanzlage des Vereins befasst. Dabei tauchten Hinweise auf, dass der Verein im Zusammenhang mit der Förderung der Jahreskonferenz 2010 gegenüber der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) möglicherweise fehlerhafte Angaben gemacht hat. Grundsätzlich fördert die BPB die Jahrestagung im Rahmen einer Defizitfinanzierung. Da möglicherweise aber nicht alle Einnahmen der Jahrestagung gegenüber der BPB angegeben wurden, könnte der Verein eine zu hohe Förderung von der BPB erhalten haben.

Nachdem der Vorstand davon Kenntnis erhalten hatte, beauftragte er umgehend unabhängige Wirtschaftsprüfer, die Kassenführung und die Abrechnungen gegenüber der BPB zu überprüfen – und zwar für alle Förderjahre (2007 bis 2010). Am 6. Juni wurden die Wirtschaftsprüfer detailliert über alle Einzelheiten der ergangenen Förderbescheide persönlich informiert.

Am 24. Juni haben die Wirtschaftsprüfer den „Entwurf eines Zwischenberichts“ vorgelegt. Demnach gibt es Hinweise, dass auch in den Jahren 2008 bis 2010 nicht alle Einnahmen im Zusammenhang mit der Jahrestagung gegenüber der Bundeszentrale vollständig angegeben wurden. Zudem muss geklärt werden, ob alle als Einnahmen in den Förderbescheiden abgerechneten Positionen (Spenden für die allgemeine Vereinsarbeit) als Einnahmen für die Jahreskonferenz anzurechnen sind. Für das Jahr 2007 gingen die Wirtschaftsprüfer von einem anderen Sachverhalt aus, weil die BPB damals von einer genauen Prüfung abgesehen und die Fördersummen für einzelne Positionen eigenständig festgesetzt hatte. Die Wirtschaftsprüfer informierten den Vorstand über ihr Prüfungsergebnis, wonach es keinen Hinweis auf irgendeine Form der persönlichen Bereicherung durch ein Mitglied des Vereins gibt. Die Wirtschaftsprüfer bewerteten die externe Buchhaltung des Vereins als ‘top’ geführt.

Am 25. Juni traf sich der Vorstand von NR zu einer außerordentlichen Sitzung, um die vorläufigen Ergebnisse der Wirtschaftsprüfer – die Korrekturen und Stellungnahmen des Vorstands zum Berichts-Entwurf noch nicht enthalten – zu beraten. Der Vorstand hat dabei einstimmig beschlossen, nicht nur die möglicherweise unrechtmäßig erhaltenen Fördermittel, sondern sämtliche Fördermittel der BPB für die Jahrestagungen (2007-2010) – unter dem Vorbehalt der Sachprüfung – vorsorglich zurückzuzahlen. Dabei handelt es sich um einen Gesamtbetrag in Höhe von rund 75.000 Euro.

Die Rückzahlung erfolgte am 28. Juni 2011. In einem Brief wurde die BPB darauf hingewiesen, dass die Rückzahlung unter Vorbehalt der ausstehenden Sachprüfung erfolgt ist (insbesondere bezogen auf das Jahr 2007). Bereits vor zwei Wochen – vor Erhalt des Abschlussberichts der Wirtschaftsprüfer – hat der Vorstand die Bundeszentrale für politische Bildung schriftlich über die Sachlage und die zu klärenden Fragen informiert und um die entsprechende Überprüfung der Bescheide gebeten. Seitdem stellt die BPB in einem eigenen Prüfverfahren fest, ob, und wenn ja, in welcher Höhe das Netzwerk möglicherweise überhöhte Zuwendungen erhalten hat.

Auf der außerordentlichen Vorstandssitzung hat der 1. Vorsitzende des Vereins, Thomas Leif, erklärt, die Verantwortung für mögliche Abrechnungsfehler zu übernehmen. Der Vorstand erklärte dazu, an der Integrität Thomas Leifs, der mit großem Engagement netzwerk recherche gegründet und 10 Jahre ehrenamtlich für das Netzwerk gearbeitet hat und dessen Einsatz der Verein viel verdankt, gebe es keinen Zweifel.

Der Vorstand wird am Freitag, 1. Juli, auf der Mitgliederversammlung über den aktuellen Informationsstand berichten. Der für Freitag vorgesehene Tagesordnungspunkt „Gründung einer Stiftung“ wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Auch sollen die Vorstandswahlen bis zur abschließenden Klärung des Sachverhalts – so der Vorschlag des Vorstands – verschoben werden. Angestrebt wird eine neue Mitgliederversammlung im Herbst 2011, spätestens jedoch Ende 2011, auf der dann ein neuer Vorstand gewählt wird.

Prof. Dr. Thomas Leif
1. Vors. netzwerk recherche e.V.

Hans Leyendecker
2. Vors. netzwerk recherche e.V.

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Ruhrbarone-Interview über Links und Lokales

Philipp Ostrop - Foto mit Hipstamatic

Am Schreibtisch. App: Hipstamatic. Lens: John S. Flash: Off Film: Kodot XGrizzled

Ich habe den Ruhrbaronen ein Interview gegeben. Es geht um Links und Lokales, Beta-Journalismus, den Medienwandel, die Zukunft, Jeff Jarvis, Kommentarfunktionen auf Nachrichtenwebsites und so weiter.

Das Interview steht hier. Ihr müsst mir versprechen, nach dem Klicken auf jeden Fall hier hin zurückzukommen. Ansonsten habe ich nämlich im Interview gelogen…

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Eignet sich das iPhone als multimediales Reporter-Werkzeug? Ein Video-Test

Das iPhone ist eine Multimedia-Maschine: Twitter, Mails, Facebook, Fotos, telefonieren, Video, Audio, das volle Programm. Das Smartphone sollte sich also als Arbeitsgerät für Reporter eignen.

Nach diesem  Blogpost von Richard Gutjahr wollte mein Kollege Tilman Abegg das genauer wissen, hat sich das von Richard promotete Video-Travel-Kit bestellt und losgelegt. Tilman filmte und schnitt mit dem iPhone und kam mit dem fertigen Video neulich am Desk an. Wie macht Tilman das? Er hat es uns in einem Beispiel-Interview erklärt, ich habe es mit einer Flip gefilmt. Und welches Ergebnis kommt raus? Seht selbst.

Das Making-Of (gefilmt mit einer Flip-Kamera):



Das Ergebnis (Tilmans Test-Interview, gefilmt und weiterverarbeitet mit dem iPhone):



Und so sieht ein iPhone-Video im richtigen Leben auf www.RuhrNachrichten.de aus.
Dass Rudolf Becker nicht in die Kamera guckt, liegt hoffentlich nicht am iPhone…:



Fazit:

Der kleine Test bestärkt mich in der Meinung, dass wir auf das iPhone als Reporter-Handy setzen sollten. Nicht irgendwann in der Zukunft, sondern sehr bald.

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Zwei aktuelle Links zum Thema:
Onlinejournalismus.de: Schwergewichtiger Support fürs iPhone
BBC College of Journalism: So will die BBC das iPhone einsetzen

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Wie hast Du eigentlich Twitter erfunden, Jack Dorsey?

Es sei die „dümmste Idee aller Zeiten“, sagten seine Freunde. Trotzdem hat er sie in die Tat umgesetzt. Jetzt hat Twitter Millionen Nutzer und ganz nebenbei die Verbreitung von Informationen auf der ganzen Welt beeinflusst. Im Interview mit Venture TV erzählt Jack Dorsey (@jack), wie das alles ging. Sein wichtigster Tipp für Gründer: sofort starten!

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Bill Keller (New York Times) spricht über Krisenmanagement, einen harten Job und die beschissene Rezession

Durchschnittliche Lesedauer für diesen Artikel: 2:30 Minuten

Bill Keller, scheidender Chefredakteur der New York TimesEs gibt selbst in Friedenszeiten wahrscheinlich keinen Job in der Medienbranche, der stressiger ist als der Chefredakteursposten der New York Times. Bill Keller (Foto) hat das acht Jahre gemacht. Doch seine acht Jahre waren keine Friedenszeiten, er musste Krisen, Kriege und Katrina meistern – ganz zu schweigen von den Revolutionen seiner Branche. Nun geht Keller und gibt lockere Interviews. Hier ein paar Auszüge aus zwei lesenswerten Esquire-Gesprächen, die er mit Scott Raab geführt hat (freie Übersetzung von mir):

Aus Interview 1:

Wusstest Du, wie hart der Job werden würde?
Nein. Sie erzählen Dir vorher nicht, dass ein Großteil Deines Lebens aus Krisenmanagement bestehen wird. Jede Art von Krise, die man sich vorstellen kann, beginnend mit einer Krise der Moral und der Glaubwürdigkeit, die ich geerbt hatte. Dann mussten wir durch dies Arschloch von Rezession („one motherfucker of a recession“).

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