Die Kollegen der Zeitung Austin-American Statesman hatten am vergangenen Wochenende eine großartige Idee. Als sich herauskristallisierte, dass die Schweinegrippe uns längere Zeit beschäftigen würde, haben sie sich die Domain www.swineflucare.net gesichert. Am Montagmorgen wurde ein Mediengestalter drangesetzt – und am Dienstagmittag war die Seite fertig.
Es ist eine Seite, die Nachrichten-Aggregation betreibt. Sie produziert keinen eigenen Content, sondern setzt Links. Auf die Berichte der weltweiten Medien, Behörden, Blogs, Tweets, Maps, Links, you name it. Der geplante Effekt ist klar: Die User sollen Swineflucare als Ausgangspunkt ihrer Surferei nutzen. Die Nachrichtenauswahl erledigt dabei kein Algorithmus, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut: Robert Quigley (@robquig), Online-Journalist des Statesman.
Swineflugcare ist die Huffington Post der Schweinegrippe. Genial.
Am Morgen des zweiten ENC-Tages ist es Zeit für einen kurzen Überblick - für eine abschließende Analyse der Situation, der Strömungen und Strategien ist es erstens noch zu früh – und zweitens muss ich noch ein bisschen drüber nachdenken. So stay tuned.
Unterdessen diskutieren vorne auf dem Podium: Uwe Vorkötter (FR), Peter Stefan Herbst (Saarbrücker Zeitung), Matthias Geering (Basler Zeitung), Christian Ortner (Vorarlberger Nachrichten). Moderiert wird die Morgensession von Bascha Mika (taz). Es geht um Qualität, Quantität, Kosten, die Zukunft. Keiner sagt was Neues. Alle haben viele Chancen (behaupten sie), und sowieso sei alles eine Gratwanderung. Aber wird schon nicht so schlimm. Herzlichen Glückwunsch! „Dead tree publishing“ kommt mir in den Sinn.
Ein besserer Seismograph für die Branche ist da schon der Blick auf die Twitterfront hier in Wien: Das muss man sich mal vorstellen: Da kommen 500 internationale Medienmacher zusammen – und nur ein Dutzend twittert oder hat eine leise Ahnung, was dieses komische Twitterzeugs überhaupt ist. Und die meisten Chefredakteure haben gestern Abend an der Campari-Bar Bauklötze gestaunt, als @RZChefredakteur, @sam2810 und ich mit den anonymen Mädels von XXXXXXXXX einen kleinen Tweetup inszeniert haben. Da fühlt man sich schon fast als Early Adopter, als Avantgarde.
Ich verlange nicht, dass jeder twittert. Aber ich verlange, dass die hier versammelten Medienmacher wissen, worum es geht – verdammt nochmal! Mediendesign-Legende Mario Garcia macht es vor. Er bloggt seit Monaten oder Jahren, twittert seit wenigen Wochen, und er ist begeistert von den neuen Möglichkeiten.
Was Twitter bringt? Zum Beispiel eine Beziehung zu den Kunden! Wie zwischen Christian Lindner, dem Chefredakteur der Rhein-Zeitung in Koblenz, und seinen Lesern. Dort gab es heute im Blatt eine kleine Layout-Anpassung. Lindner hat eben per Twitter die Leser gefragt, ob sie es gemerkt haben und wie es ihnen gefällt. Die Antwort kam prompt von Leser @herkenroth: „Schmalere Schrift in den Headlines? Hat Sohn (14) heut früh behauptet. Ich hab ihm widersprochen. Hat er Recht?“
Er hatte, wie Lindner postwendend antwortete. Und das Beste an dieser Geschichte: Der Leser hat erst mit dem Twittern begonnen, nachdem die Rhein-Zeitung eine Sonderseite darüber gemacht hat. Jetzt wird der Leser vielleicht zur Blattkritik eingeladen – und wird es nie vergessen.
Das ist aktive Leser-Blatt-Bindung. Und das ist dreimal wichtiger für die Zukunft unserer Branche als das Blabla da vorne auf dem Podium. Das ist übrigens mittlerweile zu Ende. Es geht doch. Selbst hier in Wien.
Seit gestern bin ich in Wien, heute Abend beginnt der European Newspaper Congress (Disclaimer: Die erste Nacht zahle ich privat, den Rest das MDHL).
Der Chefredakteur von „20 Minuten“ Schweiz, einem der wenigen expandierenden Gratis-Tageszeitungen in Europa, hat heute per Interview den Kongress eingeläutet. Sein Blatt sei so erfolgreich, weil es schnellen und unterhaltsamen Journalismus propagiere – „gedrucktes Internet“. Bin gespannt, ob über das gedruckte Internet diskutiert wird.
Derweil hab ich heute die Zeit genutzt und mir vier fantastische Ausstellungen angesehen:
In der Albertina, der größten grafischen Sammlung der Welt, laufen zurzeit parallel
die anspruchsvolle Gemälde-Ausstellung Monet bis Picasso – Sammlung Batliner (noch bis 21. Mai),
und eine lustige Schau über die Anfangsjahre der Fotografie („Fotografie und das Unsichtbare“, bis 24. Mai), als Wissenschaftlicher mit der neuen Technik zu experimentieren begannen.
Wahrscheinlich war es totaler Kunstfrevel – aber das „Zeitalter Rembrandts“, die vierte aktuelle Ausstelung in der Albertina, hab ich mir nicht mehr reingezogen.
Stattdessen bin ich rüber ins Wienmuseum gegangen, wo noch ein Highlight wartete: Die Schau „Big City“ – New Yorker Straßenfotografie zwischen 1940 und 1990. Da kommt so ein geiles Metropolen-Feeling auf – irgendwie kosmopolitisch wie hier auf den Straßen Wiens, und trotzdem ganz anders.
Ich bin gespannt. Am Wochenende fliege ich zum European Newspaper Congress nach Wien. 500 Medienmenschen treffen sich, präsentieren ihre Konzepte, diskutieren über die spannende Zeit und noch spannendere Zukunft.
Mit @RZChefredakteur Christian Lindner hab ich mich auf das Twitter-Hashtag #enc09 geeinigt. Zwischendurch gebe ich hier im Blog mal einen Zwischenstand ab – ob die Zeitungswelt noch zu retten ist und so.
Ich freu mich auf Zeitungsdesign-Legende Mario Garcia, aus dessen Feder unter anderem der Relaunch der ZEIT stammt. Sein Blog ist übrigens saugut.
Heute morgen beim Frühstück hatte ich so ein komisches Gefühl. Ich kann es gar nicht näher beschreiben. Irgendwie hatte ich den Eindruck, es würde etwas fehlen – aber ich komm nicht drauf. Verdammt.
Google-CEO Eric Schmidt hat neulich vor US-Zeitungsverlegern gesprochen. Die Rede hat viel Aufsehen erregt – besonders, weil einige Stimmen auf einen noch heftigeren Arschtritt gehofft hatten. Jetzt bin ich wieder über diese interessante Rede gestolpert. Hier ist sie.
Den besten Satz sagt Schmidt ziemlich am Ende. Es geht um die doofen Leser, denen im Netz eine Überschrift und eine kurze Zusammenfassung reicht und die nicht immer das ganze tolle journalistische Stück lesen wollen: „We love our consumers – even if I don’t like what they’re doing.“
Noch entscheidender als die Wahl des richtigen Bürostuhls oder des richtigen Liveticker-Equipments ist es, die Online-First-Gemüter der Kollegen zwischendurch mal wieder abzukühlen. Dabei zeigt sich, dass die lieben Kollegen beim Eis eine genau so harte Auswahl treffen wie bei den Nachrichten…
Die Sitzmöbel entscheiden über den Crossmedia-Erfolg
Wichtig beim crossmedialen Arbeiten ist, dass man für jedes Medium den richtigen Stuhl hat. Einen Hocker für’s flexible Internet, einen Schaukelstuhl für die alte Tante Print.
Heute habe ich meinen neuen Schaukelstuhl bekommen. Natürlich musste ich mit dem Crossmedia-Sitzmöbel-Experten Herrn Lippert erstmal eine Runde fachsimpeln. Profis unter sich:
TAKEAWAY: As the International Herald Tribune publishes its new Magazine, I am excited to read a piece by Arianna Huffington about the future of journalism. She thinks it is bright. I agree. Reason to celebrate. For storytellers: celebration time Cover of inaugural issue of Magazine, published by the International Herald Tribune. Its editor, Serge Schmemann […]
“Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt. Doch vor allem ist es eins: Es ist alternativlos”, orakelt Matthias Iken auf Abendblatt.de, weiter heißt es: “Der Zugriff auf Lokal- und Regionalberichte sowie das Archiv ist nun für 7,95 Euro pro Monat im Abo zu haben. Für Zeitungs-Abonnenten bleibt das […]
WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz wird neuer Chef des WAZ-Online-Portals DerWesten.de. Uns liegen exklusiv seine Pläne für den Umbau des Internetangebots vor. Ulrich Reitz war zwar nicht dabei, als Thomas Knüwer vor zwei Wochen auf dem Journalistentag NRW in Recklinghausen erklärte, Journalisten müssten zur Marke werden, scheint aber seine Lehren aus dem Vortra […]
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