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Die Revolution machte heute einen Hopser

The Local: Hauseinsturz in Clinton Hill

The Local: Hauseinsturz in Clinton Hill

Es gibt diese Tage, da passiert nicht viel und da geht auch nicht viel. Und dann gibt es diese Tage, an denen man die Medienrevolution hautnah miterlebt – und an denen die Revolution einen Sprung zu machen scheint, zumindest aus der subjektiven Sicht des Betrachters. Einen Revolutionshopser, sozusagen.

Heute war so ein Tag.

Am frühen Nachmittag hatte ich mich beim Kaffee nach längerer Zeit mal wieder durch The Local geklickt, das so genannte „hyperlokale“ Stadtteil-Angebot der New York Times. Das Besondere: Ein NYT-Reporter arbeitet im Viertel, macht auch selbst Geschichten, aber seine Hauptaufgabe ist das Aggregieren von lokalen Blogs etc. (Hintergründe hier und hier).

Jedenfalls stieß ich dort auf die Berichterstattung über den Einsturz eines Hauses. Und je mehr ich las, desto mehr begriff ich, was bei dieser Berichterstattung passiert war: Es war ein echtes und perfektes Beispiel für den Journalismus der Zukunft. Denn: Der Bericht ist das Ergebnis einer Kooperation von drei (oder vier?) Profis mit einem Dutzend Amateure [Amateure=keine Journalisten im herkömmlichen Sinn]. Stadtteil-Reporter Andy Newman hat seinen professionellen Journalismus kombiniert mit Blogs, Twitterfotos, Videos und eingegangenen Mails.

Wer genau liest, stellt fest, dass der Reporter auf einen Großteil des User-Contents, der mittlerweile in die Berichterstattung eingeflossen ist, zuvor per Kommentar hingewiesen worden war. Der Artikel war (und ist) also „work in progress“. Es ist Journalismus als Prozess, nicht als fertiges Produkt. Und es ist ein tolles Beispiel für funktionierendes Crowdsourcing, bei dem der User Generated Content den Journalismus eben nicht verdrängt oder ersetzt, sondern bereichert. 

Während ich noch darüber nachdachte, rief Kollegin @liesdas (unsere Editorin für Witten) durch den Newsroom: „Es brennt in Witten – wir wissen nur nicht, wo.“ Unsere Reporterin vor Ort war unterwegs zum Brand, aber es gab unterschiedliche Angaben, auf wessen Gelände das Feuer ausgebrochen war. Wir am Desk waren haben zunächst ahnungslos, dann falsch getwittert, und haben uns korrigiert.
Während ich so rumzwitscherte, hatte Anwohner Gerold Hoyer (@ghoyer) schon über eine Explosion in Witten-Heven getwittert und ein Foto hochgeladen.

Bumms, da war es also passiert. Wir waren erstmals Zeuge geworden, wie ein Twitterer uns geschlagen hatte. Er war schneller, und er war in Teilen besser als wir (weil er ein erstes Foto hatte). Dies passierte nicht irgendwo auf dem Hudson River in der Hauptstadt der Welt, sondern bei uns im Lokalen. Mitten in Witten.

Was lernen wir daraus? Wir Journalisten können (und wollen) nicht verhindern, dass „Amateure“ im Netz schneller berichten als wir. Doch wir Journalisten können (und müssen!!) lernen, damit umzugehen, und diese Quellen zu nutzen. Nicht als Ersatz, sondern als Bereicherung unserer Arbeit. Sonst sehen wir ganz schnell ganz alt aus.

Übrigens: Ein Foto von Herrn Hoyer ist in unsere Berichterstattung eingeflossen. Das kurze Video stammt von unserer Reporterin Susanne Linka. Auf Youtube gab’s bisher nix.

Eingetragen unter:Bloggen an sich, Medienzeugs , , , , , , ,

One Response

  1. Ute sagt:

    Höher, schneller, weiter beherrscht unser Leben viel zu sehr. Vielleicht wird es Zeit für ein neues Motto. Präziser, ausgewogener, gerechter.

    Ein wirklich gut recherchierter Bericht zu einem relevanten Thema (auch Lokal) ist mir lieber als noch so schneller Katastrophen-Journalismus.

    Ich denke, die Qualität macht den Unterschied. So es sie denn gibt.

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