ostroplog – Das Weblog von Philipp Ostrop

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Flashback. Oder: Ein Journalist in der Aldi-Zentrale

Bestellung von gefälschten Rauchmeldern in Hong Kong

Bestellung von gefälschten Rauchmeldern in Hong Kong

Den Job als Desk-Chef mache ich gerne und schon seit zweieinhalb Jahren. In dieser Zeit habe ich nur wenige Artikel für unsere Print- oder Onlineausgabe selbst geschrieben. Zuvor, in meinen vier Jahren als Redakteur im Mantel, war das anders.

Nun jedoch organisiere ich Content und Personal, treibe Innovationen voran, halte Leute bei Laune.

Wenn ich mit ganz normalen Menschen (Nichtjournalisten) über meinen Job rede – wie zuletzt bei einem netten Essen am Mittwochabend – kommt immer wieder dieselbe Frage: „Vermisst Du das Schreiben nicht?“

Meine Standardantwort lautet dann: „Och nöö, ich schreibe ja noch mehr als genug. Vor allem E-Mails.“ Dann erzähle ich meistens, dass ich sowieso nicht zu den Menschen gehört habe, denen es ums Schreiben ging. Schreiben war für mich nur Mittel zum Zweck, zur Informationsvermittlung. Schließlich habe ich auch nie Tagebuch geschrieben oder so’n Kram.

Gestern jedoch holte mich meine Vergangenheit wieder ein. Per Agentur-Meldung. Read the rest of this entry »

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Alles muss raus. Oder: So evakuiert man ein Pressehaus

Heute Gestern war ein verrückter Tag. Um 16.15 Uhr erreichte uns die Nachricht, dass auf der großen Thier-Baustelle hinter unserem Pressehaus eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde. Sofort war klar: Die Bombe muss schnell entschärft werden, weil sie offen in einer Baggerschaufel liegt. Und: Das Pressehaus befindet sich mitten in der Evakuierungszone!

Wir wussten zunächst nicht, wie viel Zeit uns bis zur Räumung des Hauses bleiben würde, und ob wir überhaupt mit unserer Zeitungsproduktion fertig werden könnten. Denn nicht nur die Redaktionen, auch andere produktionskritische Abteilungen des Hauses waren von der Evakuierung betroffen. Gut, dass mittlerweile viele Menschen mobil arbeiten können, auch im Medienhaus Lensing. Und so hat dann irgendwie alles funktioniert.

Etwa um 18.45 Uhr hatte ich die Zeit, zur Flip zu greifen und den inoffiziellen Evakuierungsfilm zu drehen. Zwei Anmerkungen: Im Video ist nicht jeder Spruch ernst gemeint – und ich hoffe, dass alle Protagonisten mit der Veröffentlichung einverstanden sind:

Kurze Anleitung zum Evakuieren eines Pressehauses

Kurze Anleitung zum Evakuieren eines Pressehauses

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Übrigens: Wir haben es tatsächlich geschafft, die Lüner Lokalausgabe gegen 22.45 Uhr noch zu aktualisieren. Kein Leser in Lünen muss auf das Kinofest verzichten! Die Reporter in Lünen waren mobil im Einsatz, der Digitale Service hat per Notebook gearbeitet – und ich war zu diesem Zeitpunkt zu Hause und per WLAN mit dem „virtuellen Pressehaus“ verbunden.

Unseren Live-Ticker kann man hier nachlesen. Chefredakteur Wolfram Kiwit hat den Evakuierungsbefehl übrigens wirklich per Twitter gegeben. Und irgendwie erinnerte mich die ganze Nummer an den irren Stromausfall bei unserer eigenen Wahlkampf-Veranstaltung in Selm. Gute Nacht.

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Pottblog-Interview, Teil 2: Es geht um Nahraum.de, E-Reader und weitere Innovationen

Heute bin ich aus einer herrlich sonnigen Offline-Woche  in Rabat zurückgekommen. Zeitgleich hat Jens vom Pottblog Teil zwei unseres Video-Interviews veröffentlicht.

Darin reden wir unter anderem über…

Ach ja, Jens hat auch unseren internen Innovationsfahrplan fotografiert…

Innovationsfahrplan des RegioDoDesk der Ruhr Nachrichten (RN)

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Schuss und Gegenschuss

Der Start eines neuen Online-Projektes rückt immer näher und hat in den letzten Tagen und Wochen einen Großteil meiner (offenbar doch noch irgendwo verfügbaren) Aufmerksamkeit und Arbeitszeit aufgefressen. Deswegen ist es hier etwas ruhiger geworden – aber das wird sich bald ändern.

Bevor ich mich morgen für ein paar Tage nach Analogien verabschiede, um neue Kraft zu tanken, hat mich Jens vom Pottblog besucht. Wir haben über die Arbeit an meinem regionalen Newsdesk gesprochen, über Entwicklungen und Pläne.

Im Nachhinein wundert sich ein wenig, was man am Ende eines langen Arbeitstages für ein Zeugs erzählt… Aber es gilt selbstverständlich das gesprochene Wort (wir sind ja keine Politiker), und in den nächsten Tagen gibt’s im Pottblog Teil 2 des Interviews.

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Und hier mein kurzer trashiger Gegenschuss. Man beachte: Ich habe Ullrich Sierau (umstrittener neuer Dortmunder Oberbürgermeister) kurzzeitig für den Kanzlerkandidaten der SPD gehalten:

Besuch vom Pottblogger am Desk

Besuch vom Pottblogger am Desk

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Treffen sich zwei twitternde Flipper, Folge 2

Heute gibt es eine neue Folge der beliebten Serie „Treffen sich zwei twitternde Flipper“, und zwar mit @constantinho und mir. Am Ende ist auch noch ein Blogger im Bild. Verrückte Welt…

Treffen sich zwei twitternde Flipper

Treffen sich zwei twitternde Flipper

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Folge eins mit @bildchefRZ und @RZChefredakteur kann man hier sehen.

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Deskfest 09: Die Dokumentation

#deskfest: Das offizielle (=zensierte) Video

#deskfest: Das offizielle (=zensierte) Video

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Mehr Fotos: Bei Flickr und im Wir-sind-Schwerte-Club
Mehr Infos: Bei Twitter
Mehr Hintergrund: Im ostroplog hier und hier

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Deskfest 09: Schön war’s

Das Deskfest09 ist Geschichte. Schön war’s. Wir sind durch unsere sechs Städte getourt, haben kurze Besichtigungen gemacht und uns die Redaktionen zeigen lassen. Endstation war Bochum. Als wir allerdings nach neun Stunden Busfahrt dort ankamen, waren wir doch ein wenig müde…

Mehr Bilder gibt’s bei Flickr. Wie der Tag so gelaufen ist, kann man hier bei Twitter nachlesen. Und angeblich ist sogar gefilmt worden…

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Achtung, wir gehen auf Tour!

Ich freue mich schon auf Samstag. Denn dann geht mein Team auf Tour. Wir starten am Desk in Dortmund und fahren durch die sechs Städte unseres Verbreitungsgebietes: Selm, Lünen, Werne, Castrop-Rauxel, Witten und Schwerte. In jeder Stadt gucken wir uns ein bisschen um, besuchen unsere Lokalredaktion und lassen uns ein paar Sachen erklären.

In Werne wartet der verrückteste Stadtführer des ganzen Ortes  auf uns… Wahrscheinlich verliere ich dann bei meiner Truppe das letzte Stückchen Respekt (falls ich jemals so etwas besessen habe). 

Abends feiern wir dann den zweiten Teil unserer Journalistenpreis-Gewinnparty. Teil eins war so. 

Stellt sich nur noch eine wichtige Frage: Welches Hashtag nutzen wir bei Twitter?

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Ethik in Zeiten des Internets

Wer Journalismus im Internet betreibt, setzt sich einem ungeheuren Konkurrenz- und damit Zeitdruck aus. Ich erlebe es in meinem Alltag als Newsdesk-Chef immer häufiger, dass schwierige Fragen zu beantworten sind – in immer kürzerer Zeit. Schwierige Fragen, angesiedelt im Koordinatensystem zwischen Presserecht, Ethik und Bauchgefühl. Je schneller wir im Live-Medium Internet berichten, desto öfter müssen die Fragen auch live beantwortet werden – weil wir nicht warten können, bis der News-Event vollständig beendet ist und von allen Beteiligten (auch uns) reflektiert werden konnte.

Wovon ich hier rede? Zwei Beispiele:

Beispiel 1: Bahnstrecke gesperrt. Grund: Suizid

Es passiert regelmäßig, dass wir beispielsweise im Frühdienst über Streckensperrungen der Bahn schreiben. Meistens kann die Bahn zunächst keinen genauen Grund für die Sperrung nennen, kurze Zeit später ist dann von einem Unfall mit Personenschaden die Rede. Was tun wir? Wir berichten online. Denn eine Streckensperrung bei der Bahn ist ebenso wie eine Autobahn-Sperrung eine Nachricht mit großem Nutzwert (news to use, zum Danachrichten). In den allermeisten Fällen handelt es sich dann nicht um einen Unfall an einem unbeschrankten Bahnübergang etc., sondern um einen Suizid – was natürlich schon im Vorfeld klar ist.

Nun habe ich im Volontariat gelernt, über Selbstmorde eigentlich nicht zu berichten und den Ball flach zu halten. Denn in jedem Fall spielt sich zuvor eine intime menschliche Tragödie ab, die die Öffentlichkeit erstmal nicht zu interessieren hat. Verständlich.

Aber in unserem Beispiel ist ja unsere Nachricht längst online – und wir wollen auch berichten, wann die Bahnstrecke wieder freigegeben wird, denn diese Nachricht ist ja ebenso wichtig wie die Sperrung. Verschweigen wir dann den Suizid, obwohl wir davon wissen? Stellen wir die Nachricht einfach offline und verzichten auf das Updaten und Abmoderieren (voll einsnull)?

Wir berichten natürlich. Nicht mehr in sensationeller Größe, aber wir halten unsere User auf dem Laufenden (so wie bei diesem Follow-Up – allerdings hatte die Polizei in diesem Fall ein paar Tage lang per Öffentlichkeitsfahndung nach dem Mann gesucht).

Ist das richtig? Ist das falsch?

Beispiel 2: Junger Mann (28) bei Air-France-Absturz gestorben. Die gesamte Redaktion kennt ihn gut.

Dieser Fall von gestern war schwierig für uns, auch emotional. Denn ein Todesopfer des Air-France-Flugs war mal Praktikant in unserer Lokalredaktion in Werne, anschließend sporadisch Freier Mitarbeiter. Ich kannte ihn privat, am Abend vor Heiligabend haben wir uns noch in unserem Heimatort Werne in einer Kneipe getroffen. Wir gingen zur selben Schule, er hat ein Jahr später Abi gemacht. Seine Eltern sind mit Redakteuren unserer Lokalredaktion in Werne befreundet, waren früher sogar gemeinsam im Urlaub. Kurzum: Es ist ein richtig guter Bekannter, über dessen Tod wir berichten mussten.

Selbstverständlich kennen wir seinen Namen, selbstverständlich kennen wir die (Geheim-)Nummern der Eltern – und weil der junge Mann als Ingenieur beim Bau eines Stahlwerks in Brasilien gearbeitet hat, haben wir mehrfach über ihn berichtet. Die Berichte standen online in unserem Archiv, außerdem eine Fotostrecke.

Zunächst haben wir gestern früh unsere archivierten Artikel und die Fotostrecke offline gestellt – weil wir nicht wollten, dass andere BoulevardMedien sich bedienen. Nach ein paar Stunden Recherche wussten wir definitiv, dass dieser junge Mann an Bord der Maschine war. Zu diesem Zeitpunkt hatten seine Eltern und Angehörigen noch nichts von offizieller Seite gehört. Gleichwohl befürchteten sie das Schlimmste.

Die Entscheidung, was nun zu tun war, war relativ leicht: Wir gingen mit der Nachricht online – ohne den Namen des Opfers zu nennen, und mit so wenig Details, dass Rückschlüsse auf seine Person nicht möglich waren. (Positiver Nebeneffekt: Die Konkurrenz Kollegen der anderen Zeitung, die mutmaßlich von unserer Nachricht überrascht worden sind, konnten nicht so schnell aufschließen.) Klar war aber: Irgendwann im Laufe des Tages  hatten wir zu entscheiden: Nennen wir den Namen? Kürzen wir ihn ab? Zeigen wir Fotos? Pixeln wir diese?

Ich sprach mit dem Kommunikationschef des Konzerns, für den das Opfer gearbeitet hat. Dort hatte man bereits eine Presseerklärung vorbereitet, in der sein Name auftauchte. Diese Presseerklärung sollte erst verschickt werden (und direkt ins Netz gehen), wenn das Auswärtige Amt grünes Licht gegeben (also: Todesnachricht an die Angehörigen) übermittelt hat. Dies passierte dann am frühen Nachmittag.

Eigentlich hatten wir geplant, zu diesem Zeitpunkt ebenfalls den Namen zu nennen – denn die Nachricht war ja (zwar als Presseerklärung, aber online) auf dem Markt. Trotzdem zögerten wir und warteten, bis wir noch einmal mit der Mutter sprechen konnten. Und dann fragten wir sie einfach: Womit habt Ihr am wenigsten Probleme? Die Mutter las unsere Online-Berichterstattung und unsere unfertige Print-Berichterstattung – und gab grünes Licht. Für Nennung des vollen Namens und Benutzung von Fotos.

Und genau so machten wir es dann. Deshalb schreiben wir nun im Netz und in Print von Claus-Peter Hellhammer, den alle nur Claus nannten. Wir zeigen Fotos eines jungen Mannes, für den Brasilien nicht nur Leben, sondern auch Liebe gewesen ist.

Ich bin davon überzeugt, dass es richtig war, nicht sofort alle Details zu nennen, obwohl wir sie wussten, und die Meinung der Angehörigen einzuholen.

Trotzdem würde ich hier gerne weitere Meinungen dazu lesen.

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Das ABC der crossmedialen Redaktionspraxis – heute: E wie Eis

Noch entscheidender als die Wahl des richtigen Bürostuhls oder des richtigen Liveticker-Equipments ist es, die Online-First-Gemüter der Kollegen zwischendurch mal wieder abzukühlen. Dabei zeigt sich, dass die lieben Kollegen beim Eis eine genau so harte Auswahl treffen wie bei den Nachrichten…

Wählerische Kollegen...

Wählerische Kollegen...

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Weitere Folgen im ABC der crossmedialen Redaktionspraxis:
B wie Bürostuhl
L wie Liveticker

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Gezwitscher @PhilippOstrop

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