Verdammt nochmal! #enc09

Das Podium (via mediummagazin)

Das Podium (via mediummagazin)

Am Morgen des zweiten ENC-Tages ist es Zeit für einen kurzen Überblick – für eine abschließende Analyse der Situation, der Strömungen und Strategien ist es erstens noch zu früh – und zweitens muss ich noch ein bisschen drüber nachdenken. So stay tuned.

Unterdessen diskutieren vorne auf dem Podium: Uwe Vorkötter (FR), Peter Stefan Herbst (Saarbrücker Zeitung), Matthias Geering (Basler Zeitung), Christian Ortner (Vorarlberger Nachrichten). Moderiert wird die Morgensession von Bascha Mika (taz). Es geht um Qualität, Quantität, Kosten, die Zukunft. Keiner sagt was Neues. Alle haben viele Chancen (behaupten sie), und sowieso sei alles eine Gratwanderung. Aber wird schon nicht so schlimm. Herzlichen Glückwunsch! „Dead tree publishing“ kommt mir in den Sinn.

Ein besserer Seismograph für die Branche ist da schon der Blick auf die Twitterfront hier in Wien: Das muss man sich mal vorstellen: Da kommen 500 internationale Medienmacher zusammen – und nur ein Dutzend twittert oder hat eine leise Ahnung, was dieses komische Twitterzeugs  überhaupt ist. Und die meisten Chefredakteure haben gestern Abend an der Campari-Bar Bauklötze gestaunt, als @RZChefredakteur, @sam2810 und ich mit den anonymen Mädels von XXXXXXXXX einen kleinen Tweetup inszeniert haben. Da fühlt man sich schon fast als Early Adopter, als Avantgarde.

Ich verlange nicht, dass jeder twittert. Aber ich verlange, dass die hier versammelten Medienmacher wissen, worum es geht – verdammt nochmal! Mediendesign-Legende Mario Garcia macht es vor. Er bloggt seit Monaten oder Jahren, twittert seit wenigen Wochen, und er ist begeistert von den neuen Möglichkeiten.

Was Twitter bringt? Zum Beispiel eine Beziehung zu den Kunden! Wie zwischen Christian Lindner, dem Chefredakteur der Rhein-Zeitung in Koblenz, und seinen Lesern. Dort gab es heute im Blatt eine kleine Layout-Anpassung. Lindner hat eben per Twitter die Leser gefragt, ob sie es gemerkt haben und wie es ihnen gefällt. Die Antwort kam prompt von Leser @herkenroth: „Schmalere Schrift in den Headlines? Hat Sohn (14) heut früh behauptet. Ich hab ihm widersprochen. Hat er Recht?“

Er hatte, wie Lindner postwendend antwortete. Und das Beste an dieser Geschichte: Der Leser hat erst mit dem Twittern begonnen, nachdem die Rhein-Zeitung eine Sonderseite darüber gemacht hat. Jetzt wird der Leser vielleicht zur Blattkritik eingeladen – und wird es nie vergessen.

Das ist aktive Leser-Blatt-Bindung. Und das ist dreimal wichtiger für die Zukunft unserer Branche als das Blabla da vorne auf dem Podium. Das ist übrigens mittlerweile zu Ende. Es geht doch. Selbst hier in Wien.

Über philippostrop

Journalist
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4 Antworten zu Verdammt nochmal! #enc09

  1. Wurstbrot schreibt:

    Hmmm, in Wien scheint es irgendwie FC Bayer`resk zuzugehen.🙂 Zumindest kann man als Nichtteilnehmer diesen Eindruck bekommen.

    Erst sind alle von der neuen „Buddhastatue“ begeistert und von den daraus resultierenden neuen Konzepten…
    Dann betreten Leute die Bühne, die offensichtlich völligst unverdächtig erscheinen, diese Konzepte weiter verfolgen zu wollen und geben nen Senf ab, der mit seiner Innovations- und Aussagelosigkeit bereits vor 20 Jahren ein Gähnen in die Gesichter der Zuhörer zauberte.

    Wenn ich das so aus der Ferne verfolge, erscheinen manche Podiumsteilnehmer wie die Jupp Heynckes der Medienbranche.🙂

  2. Chaoshuhn schreibt:

    Mich erinnert das an einen Beitrag zu irgendeiner anderen Journalistenveranstaltung, wo jemand meinte, dass es doch nicht sein könne, dass man erst einmal jeden Kram vorstellen müsste und dann zehn Minuten wirklich drüber spricht bei einen sogenannten Fachpublikum. Bei einen einstündigen Vortrag. Die hatten da wohl mit ähnlichen Problemen zu kämpfen😉

  3. Anja schreibt:

    Danke für diesen wunderbaren Post! Tja, wir haben lange überlegt, ob wir hinfahren sollen zum #enc09 – und wenn ich Deine/ Eure Twitter-Updates und Deine Posts so lese, dann hätten wir wohl definitiv etwas Neues dazu beitragen können, vor allem, da auch Svenska Dagbladet (einer unserer ersten Partner) seine Entwicklung vorstellte. Mental Note: #enc10 + Teilnahme Twingly = Positiv. Bis dahin haben wir bestimmt ein paar mehr schöne Case Studies in Deutschland und Europa.

  4. Pingback: Geburt eines neuen Zeitungstyps « ostroplog – Das Weblog von Philipp Ostrop

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