Ein tiefer Griff ins Klo

Fehler über Fehler: Walter Cronkite in der NYT

Fehler über Fehler: Walter Cronkite in der NYT

„All the news that’s fit to print“ lautet seit mehr als 100 Jahren das arrogante Motto der New York Times. Frei übersetzt: Alle Nachrichten, die so gut sind, gedruckt zu werden.

Neulich ist Walter Cronkite gestorben, die Legende der US-Fernsehnachrichten (CBS). Die NYT hat natürlich berichtet – und dabei tief ins Klo gegriffen, weil die Berichterstattung voller Fehler war. Mittlerweile musste die NYT acht Fehler korrigieren, neben Daten zur Biografie Cronkites auch die Datumsangaben der Ermordung Martin Luther Kings (4. April 1968, nicht 30. April) und der Mondlandung (20. Juli 1969, nicht 26. Juli). All das stand in der Cronkite-Geschichte falsch drin.

Nun geht das Blatt jedoch sehr offen mit den Fehlern um: Im Blog des eigenen Public Editor Clark Hoyt wird erklärt, wie es dazu kommen konnte. Das ist hochinteressant und spannend! So waren Teile des biografischen Materials vorproduziert, weil man sich auf Cronkites Tod vernünftig vorbereiten wollte – richtig gegengelesen worden ist es aber bis zum Erscheinen nicht (teilweise waren die Fehler sogar aufgefallen, wurden aber nicht verbessert). Zwei Tage vor dem Tod hat Cronkites eigener Sohn sogar noch eine Mail an die NYT geschrieben, wo er vorsorglich einige Korrekturen durchgegeben hat, weil zuvor der Sender CBS in den eigenen Unterlagen ein paar Unstimmigkeiten gefunden hatte.

Die Autorin des Stücks, Alessandra Stanley, hat im Jahr 2005 so viele Fehler produziert, dass für sie ein eigener Kollege zum Gegenlesen und Fakten-Checken eingestellt worden war. Weil ihre Fehlerquote zwischenzeitlich gesunken war, ist der Korrektur-Kollege versetzt worden…

Clark Hoyt schreibt: „The Cronkite episode suggests that a newsroom geared toward deadlines needs to find a much better way to deal with articles written with no certain publication date. Reporters and editors think they have the luxury of time to handle them later — and suddenly, it is too late.“

Jeder, der mal in einer hektischen Nachrichtenredaktion gearbeitet hat, die auf die Deadline zusteuert, kennt den Druck – und die dämlichen Fehler, die dann passieren. Bei uns im Blatt ist neulich Holzwickede zu Wickede geworden, und in den selben Absatz haben wir auch noch einen peinlichen Grammatik-Fehler eingebaut („Sie hingen die Wahlplakate auf“ statt „Sie hängten die Wahlplakate auf“). Auch das war ein Griff ins Klo.

Über philippostrop

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