NRW-Journalistentag und das Internet-Manifest: Zwei Welten begegnen sich

Tobias Weckenbrock auf dem Journalistentag-NRW

Tobias Weckenbrock (l.) auf dem Journalistentag-NRW

Von Gastblogger Tobias Weckenbrock

Irgendwie bezeichnend, wenn ein Publikum eine Podiumsdiskussion verfolgt, die das Thema „Das Internet-Manifest – Leuchtturm oder Nebelkerze?“ hat, und bei der Frage des Moderators, wer es gelesen hat, gerade einmal ein Drittel die Hand hebt. Ein Sechstel schüttelt den Kopf, ein Sechstel schaut beschämt auf die Bodenfliesen, ein Drittel lässt sich besser nichts anmerken. Das war die Szenerie am Samstag beim DJV-Journalistentag NRW in Recklinghausen.

Dabei darf man dem Manifest inhaltlich gerne irgendwie gegenüberstehen –  ob kritisch oder wohlwollend. Für beide Seiten gibt es gute Argumente. Aber man sollte sich mit ihm und den Phänomenen, die dessen Vorläufer waren, beschäftigen. Denn sie sind  im Mediengeschäft verhältnismäßig revolutionär. Revolutionärer jedenfalls als die Erfindung des Radios und des Fernsehers zusammen.

Eines jedenfalls schafft das Manifest. Oder sagen wir so: schafft das Podium, das an diesem Tag zumindest ansatzweise über das  Manifest redet (und zwischendurch ab und an zu paid content, wer-kennt-wen und der Debatte über journalistische Grundtugenden abschweift). Es verdeutlicht den Journalisten im Publikum, dass sie sich regen sollten. Dass ihr Weg sonst irgendwann in eine Sackgasse führt.

Am deutlichsten macht das Thomas Knüwer, Journalist, Blogger, Social-Media-Berater, jemand, der Dinge anspricht – und das ziemlich ungeschönt. Ein Journalist, der kein Smartphone besitzt oder in keinem Sozialen Netzwerk angemeldet und aktiv ist, der muss jedenfalls Angst vor Knüwers Worten haben – so er sie denn versteht und einsieht. Wenn Knüwer von i-Phone-Apps spricht und die Verlage anprangert, sich nicht angemessen damit auseinanderzusetzen, dann wird man den Eindruck jedenfalls nicht los, er sei nicht nur einen, sondern zwei bis drei Schritte weiter als einige seiner Zuhörer beim #jnrw09.

Darum kann diese Diskussion auch nicht mehr bringen, als den Zuhörern einen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen – oder freundlicher: sie anzuschieben. Den Nerv der Zuhörer trifft am ehesten Philipp Ostrop. Wenn er davon spricht, angestellte Journalisten sollten die Guerilla-Taktik ausprobieren – also voran gehen, der eigenen Chefredaktion neue Entwicklungen zeigen, erklären und so den Weg in die Zukunft forcieren, dann kommt das in den Köpfen an, statt vor selbige zu stoßen.

Moderator Stephan Weichert versucht, die Diskussion immer wieder einzufangen und ab und zu anzustacheln. Professor Christoph Neuberger ist der Theoretiker auf dem Podium, Thomas Mrazek ist bemüht, das Publikum einbeziehen. Dass sein Versuch scheitert, ist bezeichnend. Ebenso die offene Runde mit Anregungen oder Fragen aus dem Publikum – es kommt eine einzige. Die Frage, ob das Internet-Manifest Leuchtturm oder Nebelkerze ist, die war offensichtlich ein Schritt zu viel. Vielleicht wäre Lektion 1 besser gewesen: Was ist die  Medienrevolution, was ist das Social Web?

Fragen an die Diskutanten:

Über philippostrop

Journalist
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