Wie uns Social Media jeden Tag besser macht – am Beispiel des Unwetters über Dortmund

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Der Blitz-Informationsdienst von Siemens zählte am Donnerstagabend rund um Dortmund 890 Blitze in nur zwei Stunden. (Foto: Siemens)

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens zählte am Donnerstagabend rund um Dortmund 890 Blitze in nur zwei Stunden. (Foto: Siemens)

„Social Media macht uns jeden Tag ein bisschen besser“, hat neulich jemand gesagt. Ich glaube, der Satz stammt von Zeit-Online-Chefredakteur Wolfgang Blau (die Recherche nach dem Urheber des Zitats läuft).

Wer Social Media journalistisch nutzt, findet diese Aussage selbstverständlich. Natürlich macht Social Media die Journalisten und ihren Journalismus besser, was denn auch sonst. Für alle anderen habe ich ein Beispiel aus der Praxis:

Am Donnerstagabend zog ein heftiges Unwetter über Dortmund. Die meisten Mitarbeiter meiner Redaktion waren gerade in den Feierabend gegangen, als das Gewitter um kurz nach 20 Uhr anrollte. In den folgenden zwei Stunden gingen 890 Blitze in und um Dortmund nieder. Bis 23 Uhr zählten Polizei und Feuerwehr 543 „wetterbedingte Einsätze“. Das Mobilfunknetz brach zusammen, der Fernsehempfang ebenfalls. Der Feuerwehr-Notruf 112 war überlastet. Die Feuerwehr rief den so genannten „Vollalarm“ aus: Einsatz für alle.

Wir haben, wie in solchen Situationen bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund üblich, einen lokalen Live-Ticker gestartet. Doch wir hatten ein Problem – denn wir kamen nur sehr schlecht an Informationen. Ja, natürlich, um uns herum ging die Welt unter, das konnte jeder sehen (dafür braucht man auch keinen Live-Ticker…). Aber fundierte Informationen oder Augenzeugenberichte aus den Dortmunder Stadtteilen waren Mangelware. Die Leitstellen, die in solchen Situationen unsere Ansprechpartner sind, hatten entweder keine Zeit für ein Telefonat oder keine Informationen, geschweige denn einen Überblick.

Unsere Rettung waren unsere 2500 Follower bei Twitter. Sie haben uns bis Mitternacht mit ziemlich genau 100 direkten Hinweisen, Fotos und Videos versorgt: Hier ist ein Baum umgefallen, dort ist eine Straße überflutet, da drüben steht eine U-Bahn-Station unter Wasser. Wir konnten nicht jede einzelne Information in unseren Ticker übernehmen (wir hatten ja auch keine Möglichkeit der Verifizierung) – aber wenn mehrere Menschen über Probleme bei einem bestimmten Handynetz oder über umgestürzte Bäume auf einer bestimmten Bundesstraße schrieben, haben wir es aufgenommen. Außerdem waren diese 100 @-Messages an uns ein unschätzbares Instrument, um die Gesamtlage einzuschätzen. Selbstverständlich haben wir den geplanten Aufmacher aus der Zeitung geschmissen und parallel zum Ticker an einer neuen Print-Aufmachung gearbeitet. Hätten wir auf die ersten belastbaren offiziellen Informationen der Behörden gewartet, hätte der neue Print-Aufmacher große Teile der Abo-Auflage nicht mehr erreicht.

„Social Media macht uns jeden Tag besser.“ Den Beweis haben wir am Donnerstagabend gesehen und mit Storify aggregiert: So haben uns unsere Follower gerettet. Danke!

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Im Zeitraffer-Video aus dem Fenster der Redaktion sah das Unwetter übrigens so aus.

Über philippostrop

Journalist
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6 Antworten zu Wie uns Social Media jeden Tag besser macht – am Beispiel des Unwetters über Dortmund

  1. Pingback: Der Ruhrpilot | Ruhrbarone

  2. buchstaeblich schreibt:

    Hoffentlich werden Sie nicht irgendwann das Opfer von Spaßvogelgruppen, die sich via Handy verabreden, ein Ereignis zu twittern, dass gar nicht stattfindet …

  3. Pingback: Pottblog

  4. thomas schreibt:

    der wahnsinn + super aktion po! alle anderen live bilder 24 std via http://www.ruhr.tv/

    danke!

  5. Pingback: Darf’s ein bisschen schärfer sein? Ein Plädoyer für Currywurst-Journalismus | ostroplog – Das Weblog von Philipp Ostrop

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